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Patientengeschichte

Hans-Heinrich Edler

Datum: 09. Februar 2009

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Prostata-Karzinom
Meine Patientengeschichte

Ich war mein Leben lang kein regelmäßiger Arztgänger. Mein Motto war häufig: Die Krankheit ist von alleine gekommen, sie geht auch von alleine. Nur ein EKG ließ ich dann und wann erstellen, da ich als Zwölfjähriger eine Herzmuskelentzündung hatte. Und weil ich jahrelang einer sehr starken beruflichen Belastung ausgesetzt war, immer "„unter Strom stand“", wie man so schön sagt, parkte ich immer mal wieder vor einer Apotheke und maß meinen Blutdruck. Meine Frau und ich führen eine sehr glückliche Ehe und ich hatte immer Angst, es könne eines Tages mit der Liebe nicht mehr klappen. Die üblichen Prostata-Vorsorgeuntersuchungen habe ich deshalb durchführen lassen.

Dann kam 2001 der Ruhestand und ich ließ mich auf Drängen meiner Frau checken, Da mir häufiges Wasser lassen, das ich auf eine Blasenerkältung zurückführte, doch ein wenig Sorge bereitete, ließ ich u.a. auch den PSA-Wert feststellen. Ergebnis im Dezember 2001: 3,1 μg/l. Kein Grund zur Beunruhigung, wurde mir gesagt. Ich aber blieb wachsam, machte mich – gemeinsam mit meiner Frau! – per Internet mit der gebotenen Skepsis "„rund um die Prostata"“ schlau und ließ (gegen Bezahlung) den PSA-Wert regelmäßig bestimmen.

Ein Jahr später hieß es 4,2, nach weiteren 8 Monaten 5,0 μg/l, danach eine Weile Stillstand. 2005 kletterte er wieder, von 5,5 über 7,0 bis auf 10,1 μg/l im Dezember 2005. Eine Biopsie Ende Januar war angesagt, von insgesamt 12 Gewebeproben waren 2 positiv. Das überraschte mich nicht wirklich, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Biopsie empfand ich nicht als schmerzhaft, allenfalls als ein wenig unangenehm, davor muss man aus meiner Sicht beileibe keine Angst haben. Schon vorher, Mitte Januar, ich bereitete mich bereits auf den Ernstfall Prostata-Karzinom innerlich vor, entdeckte meine Frau die Veranstaltung einer Prostata-Selbsthilfegruppe, wo Professor Dr. med. A. Böhle einen Vortrag über Hochrisiko-Krebs der Prostata und die Brachytherapie, von der ich über das Internet bereits wusste, 2 referieren sollte. An dieser Veranstaltung nahmen meine Frau und ich teil, unsere Fragen wurden von Professor Böhle erschöpfend beantwortet. Ich fühlte mich für eine „"Hiobsbotschaft"“ als Ergebnis der Biopsie gut gerüstet, unsere – nicht meine, sondern die von meiner Frau und mir – Entscheidung für den Ernstfall war schon jetzt im Vorfeld gefallen.

Ich bekam für die Brachytherapie bei Professor Böhle im Helios-Agnes-Karll-Krankenhaus, Bad Schwartau, einen OP-Termin für Mai 2006. 14 Tage später sollte die Hochzeit unserer jüngsten Tochter stattfinden und da wollte ich wieder fit sein, Es folgten die üblichen Voruntersuchungen. Dabei wurde dann auch festgestellt, dass ich außerdem eine vergrößerte Prostata, eine sogenannte Benigne Prostatahyperplasie, hatte, was vor dem Eingriff eine (medikamentöse) Verkleinerung erforderlich machte.

Die Brachytherapie erfolgte planmäßig, ich bekam 81 sogenannte Seeds implantiert. Nach 2 Tagen war ich wieder zu Hause, machte liegen gebliebene Gartenarbeiten und bereitete die Hochzeit gemeinsam mit meiner Frau vor. Die Feier ging, wie nicht anders zu erwarten, tanzenderweise bis zum nächsten Morgen. Ich habe das gut überstanden, obgleich als Nebenwirkung häufiger Harndrang und häufiges Wasser lassen in Kauf zu nehmen waren. Mit der Zeit stellte sich eine erektile Dysfunktion ein. Um dem abzuhelfen, nehme ich Tabletten, sogenannte PD 5-Hemmer.

Aus heutiger Sicht - also mittlerweile fast 3 Jahre nach der Brachytherapie, ich fühle mich gesund und wohl, der Krebs hat sich nicht wieder gemeldet – halte ich die Brachytherapie für eine der besten und schonendsten Methoden, um einem Prostata-Karzinom zu begegnen. Allerdings empfehle ich jedem Mann, die von den Gesetzlichen Krankenkassen empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und zusätzlich in regelmäßigen Zeitabständen den PSA-Wert ermitteln zu lassen. Der PSAWert ist zwar kein Tumor-Maker, aber ein sehr wichtiger medizinischer Parameter. Bei Blasen- und Prostata-Beschwerden sollte rechtzeitig ein Urologe aufgesucht werden. Zugegeben, auch ich zögerte wohl zu lange und hätte möglicherweise bessere medizinische Voraussetzungen für die bei mir durchgeführte Brachytherapie herbeiführen können. Z. B. weniger Seeds. Aber wenn man aus dem Rathaus kommt, ist man meistens schlauer, sagt der Volksmund. Auch die Partnerin (oder der Partner) sollten offen von gesundheitlichen Veränderungen, die das Liebesleben beeinträchtigen oder beeinträchtigen könnten, informiert werden. Das stärkt nach meiner Überzeugung das gegenseitige Vertrauen und die Zweisamkeit. Dabei sollten allerdings medizinische Maßnahmen gegen die eigentliche Erkrankung, z. B. Krebs, stets im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen.